Notes From a Recent Planning Session
Vergangenen Donnerstag haben wir uns im Büro in Bad St. Leonhard getroffen, um über unsere wöchentliche Zahlenrubrik zu sprechen. Auf dem Tisch lagen sechs Datensätze, die wir in den letzten Wochen aus offenen Quellen zusammengetragen hatten. Drei davon kamen für den Newsletter infrage, zwei waren noch zu unsauber, und einer hat uns alle überrascht.
Der überraschende Datensatz betraf die Pendlerströme im Lavanttal. Die Rohdaten der Statistik Austria zeigen, dass die Zahl der Auspendlerinnen und Auspendler in den letzten zehn Jahren um knapp 18 Prozent gestiegen ist, während die Einpendlerzahlen nahezu stagnierten. Was uns daran interessierte, war nicht die Zahl selbst, sondern die Frage, wie wir sie visualisieren können, ohne den Eindruck zu erwecken, es handle sich um eine einfache Abwanderungsgeschichte. Die Realität ist differenzierter: Viele der Pendler arbeiten im Schichtdienst, andere nutzen neue Angebote des öffentlichen Verkehrs.
Wir haben uns deshalb dafür entschieden, die Daten nicht als einzelne Linie im Diagramm zu zeigen, sondern als kleine Mehrfachdarstellung mit den Verkehrsmitteln nach Jahren. So bleibt die Komplexität sichtbar, ohne dass die Leserinnen und Leser eine falsche Eindeutigkeit suggeriert bekommen. Genau solche Entscheidungen sind es, die in einer Redaktionssitzung fallen, wenn man Datenjournalismus ernst nimmt.
Ein zweiter Punkt der Sitzung betraf unsere Zusammenarbeit mit einer Bibliothek in Wolfsberg. Die Anfrage lautete, ob wir einen Workshop zum Thema „Zahlen in den Nachrichten“ anbieten können. Wir haben dafür ein Konzept skizziert, das mit konkreten Beispielen aus österreichischen Medien arbeitet: etwa mit der Darstellung von Wahlbeteiligungen, mit Prozentangaben in Gesundheitsberichten oder mit der Frage, warum ein Durchschnittswert manchmal irreführend ist. Der Workshop soll zwei Stunden dauern und Platz für Diskussionen lassen.
Was die Sitzung deutlich gemacht hat: Unsere Arbeit besteht nicht nur aus hübschen Grafiken, sondern aus vielen kleinen Prüfschritten. Jede Zahl, die wir veröffentlichen, wird gegen die Originalquelle abgeglichen. Wir notieren uns offene Fragen, markieren unsichere Werte und besprechen in der Redaktion, ob eine Darstellung wirklich das zeigt, was der Datensatz hergibt. Das klingt unspektakulär, ist aber der Kern dessen, was wir unter Datenkompetenz verstehen.
Für die kommenden Wochen haben wir uns vorgenommen, die Pendlerdaten als interaktive Grafik aufzubereiten und den Workshop in der Bibliothek zu testen. Beides werden wir hier im Magazin dokumentieren, damit andere Redaktionen und Interessierte von unseren Erfahrungen profitieren können.
Wer selbst mit offenen Daten arbeiten möchte, findet in unserem Beitrag zu Open Data in Österreich eine erste Orientierung. Und wer wissen will, wie wir die Zahl der Woche auswählen, bekommt im Redaktionsprozess einen Blick hinter die Kulissen.